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Votum von Actares an der Zurich-GV

Rudolf Meyer aus Zürich, Präsident von Actares, Actionnariat responsable, für eine Wirtschaft mit Verantwortung. Grüezi mitenand.

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren

Zuerst eine Vorbemerkung: Wie üblich hat Actares am Tag vor der Generalversammlung eine Medienmitteilung verschickt. Diese wurde von einer Agentur aufgenommen und verbreitet. Der Ton dieser Agenturmeldung entspricht jedoch nicht dem Stil von Actares: Wir kommen nicht an die Generalversammlung um Vorwürfe zu machen, sondern um Fragen zu stellen, wenn die Informationen unvollständig sind. Wir wollen einen Beitrag leisten zur Verbesserung der Performance und der Berichterstattung im Bereich Unternehmensverantwortung.

Wie üblich hat Actares im Vorfeld der Generalversammlung im Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern der Zurich eine ganze Reihe von Themen der verantwortungsvollen Geschäftsführung angesprochen. Ich muss sagen, wir sind beeindruckt vom hohen Engagement dieser Leute. Besten Dank für die Bereitschaft zum Austausch! Ob auch die oberste Ebene ernsthaft, das heisst nicht nur mit Worten, hinter diesem Engagement steht, ist aber nicht klar.

Letztes Jahr stellte ich hier fest, dass die Zurich seit ein paar Jahren bemüht ist, ihr jahrelanges Nichtstun im Bereich Klima und im Bereich der unternehmerischen Verantwortung durch umfassendes Handeln aufzuholen. Diese Aussage gilt immer noch. Actares anerkennt: die Ziele sind hoch gesetzt. Wir stellen aber fest, dass in der Berichterstattung nicht ersichtlich ist, ob und wie die Umsetzung erfolgt. Das Verhalten der Zurich ist widersprüchlich. Bei verschiedenen Themen stimmen die ehrgeizigen Verpflichtungen nicht mit der gelebten Realität überein. Zwei Gebiete sind davon besonders betroffen, die Klima- und die Personalpolitik.

Die Zurich kennt die Risiken des Klimawandels. Bei der Strategie zu dessen Bekämpfung geht es zwar vorwärts, z.B. mit dem Ziel, bis 2020 den Betrieb global auf erneuerbare Energie umzustellen, oder mit den Investitionen in „Green bonds“und andere ähnliche Instrumente. Andererseits betrifft das immer noch weit weniger als ein Prozent der gesamten Anlagen.

Was hingegen meist fehlt, sind verbindliche Zielvorgaben. Die Zurich ist noch weit davon entfernt, einen massgeblichen Beitrag zum international anerkannten 2-Grad-Ziel zu leisten. Die einfachste Massnahme, nämlich der geplante Ausstieg aus Investments in fossile, nicht erneuerbare Energien (beginnend mit dem Ausstieg aus der Kohle) ist schlicht kein Thema. „Der Markt werde das schon regeln“ war die enttäuschende Auskunft. Andere Akteure sind da deutlich weiter. Diese Haltung passt auch gar nicht zur Unterzeichnung des „Paris Pledge for Action“, wo sich die Zurich verpflichtet, sofort mit konkreten Schritten zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens beizutragen. Das 2-Grad-Ziel ist dort der Massstab. Die Zurich sollte und könnte den Markt aktiv mitgestalten.

Gemäss einer Studie des Bundes verursachen die aktuellen Investments des Schweizer Finanzplatzes einen Temperaturanstieg um 4 – 6°C. Das meine Damen und Herren ist die Realität. Wollen wir das? Herr Präsident, können Sie das verantworten? Vielleicht könnten Sie auch nachweisen, dass das bei der Zurich anders ist.

Der zweite Punkt, bei dem die stolzen Vorgaben nicht mit der Realität übereinstimmen ist die Personalpolitik. Auf der Website heisst es zwar „we care about our people“. Die Realität ist eine andere. Beim Personal der Zurich herrscht grosse Verunsicherung. Kein Wunder, nach der wiederholten Ankündigung von Entlassungen in grossem Ausmass. Wie sollen da die Leute motiviert an die Arbeit gehen? Für verschiedenste Fehlentscheidungen des Managements müssen nun die Angestellten büssen. Die Stimmung ist erwiesenermassen schlecht. Dies zeigt sich auch an der ausserordentlich hohen Fluktuationsrate von fast 13 Prozent, die seit letztem Jahr noch gestiegen ist. Das ist ein regelmässiger enormer Verlust an Know-How. Dessen Kosten sind unbekannt. Diese Rechnung, meine Damen und Herren, geht am Schluss nicht auf.

Laut verlässlichen Informationen werden auch ältere Leute entlassen, die schon seit Jahrzehnten bei der Zurich sind, ebenso berufstätige Väter und Mütter in Teilzeit und Alleinerziehende. Die Zurich kommuniziert aber nicht, wie die Altersstruktur der betroffenen Personen aussieht und welche Funktionsstufen betroffen sind. Hat sie etwas zu verstecken? Actares fordert Transparenz und Fairness beim Umgang mit dem Personal, besonders bei den zu entlassenden Mitarbeitenden.

Die Zurich deklariert, dass „Corporate responsibility“ also eine verantwortungsvolle Geschäftsführung in ihre Strategie integriert ist. Eine Arbeitsgruppe auf höchster Ebene setzt sich dafür ein. Auch bei den Investments würden neu überall die entsprechenden Kriterien angewendet. Es gibt aber dazu keine nachprüfbaren Details: Angaben zur Art der Durchführung, Zahlenreihen, Fakten oder Ziele fehlen fast vollständig. Warum?

Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Zurich-Führung bei der Umsetzung der CR-Ziele ergeben sich auch aus folgenden Feststellungen:

Actares verlangt mit Nachdruck eine vollständige und nachprüfbare Berichterstattung auch im CR-Bereich.

Zum Schluss die Fragen von Actares. Es gäbe relativ viele, gerade weil die Berichterstattung sehr unvollständig ist. Ich beschränke mich auf die wichtigsten:

Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Votant: Rudolf M. Meyer, Präsident von Actares)