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Was nun, 
Club of Rome?

Was hat die Wirtschaft aus der Welt gemacht und was kann sie in Zukunft für diese Welt tun? Actares hat die beiden Co-Präsidentinnen des Club of Rome anlässlich des bevorstehenden Jubiläums des Buches «Die Grenzen des Wachstums» getroffen, um über diese Fragen zu reflektieren.

Vor 50 Jahren wurde das Buch «The Limits to Growth» vom Club of Rome publiziert. Es findet bis heute hohe Beachtung, denn führende Wirtschaftsvertreter und einflussreiche Wissenschaftler haben bereits vor einem halben Jahrhundert vorweggenommen, was unsere Welt heute belastet: Wirtschaftliche Prosperität in westlichen Ländern hat einen direkten Einfluss auf Klimawandel und sozialen Unfrieden.

Die beiden Co-Präsidentinnen Mamphela Ramphele (Südafrika) und Sandrine Dixson-Declève (Belgien) wollen die Köpfe nicht in den Sand stecken. «Ja, leider ist eingetroffen, was das Buch bereits 1972 skizzierte. Unsere Welt steht kopf. Aber es gibt auch Hoffnung.» So setzt der Club of Rome seit einigen Jahren auf die Kraft der Jungen, vernetzt sie in Jugend-Konferenzen mit Wissensträgerinnen und Denkern rund um den Globus, die ihre Erfahrungen und Forschungen aus der ganzen Welt, dem Süden wie dem Norden, dem Westen wie dem Osten, einbringen. Im Jubiläumsjahr 2022 gibt die global tätige Organisation mit Sitz in Winterthur eine umfassende Studie im Kontext einer internationalen Initiative namens «Earth4All» heraus, die das Wissen aus der vergangenen Wirtschaftsepoche mit neuen Ansätzen für einen Wandel verknüpft. «Wir müssen das globale Finanzsystem, die globale Wirtschaft neu denken», sagen die Co-Präsidentinnen. Dies sei vor allem mit den Leadern der Zukunft, den Jungen, möglich. Und da die Universitäten dieser Welt im Ausbildungs­system des 16. Jahrhunderts stecken geblieben seien, biete der Club of Rome Plattformen an, auf denen junge Menschen und ältere Generationen interdisziplinär denken. «Da reden Ingenieure mit Soziologinnen, Politikerinnen mit Wirtschaftshistorikern, Finanzspezialistinnen mit Philosophen», so Sandrine Dixson, die selbst ihre Kraft aus der Energie der jungen, wütenden, aber auch veränderungswilligen Jugend schöpft, wie sie sagt.

Die Pandemie habe gezeigt, ergänzt Mamphela Ramphele, dass radikale Veränderungen aufgrund einer Notlage möglich seien. Gesundheitssysteme seien in Entwicklungsländern hochgefahren und die weltweite Verteilung der Impfstoffe sei gestartet worden. Auch wenn die führenden Nationen zögerlich agierten, so hätten sie – nicht zuletzt dank Appellen der WHO und vieler NGOs – erkannt, dass die Bekämpfung der Pandemie nur global und gemeinsam möglich sei. Zwar gäbe es noch viel zu tun, doch habe die Krise verdeutlicht, wie viele Menschen sich in diesen schweren Zeiten solidarisch miteinander zeigten. Ramphele ist überzeugt: «Diese Lehre wird auch die Leader der Zukunft prägen.»

Im Juni 2022 wird die +50-Konferenz in Schweden ihr Jubiläum feiern. Ziel dieser UNO-Konferenz ist die Umgestaltung der Weltordnung «in Richtung nachhaltige und grüne Wirtschaft mit guten Arbeitsplätzen – ein gesunder Planet, der niemanden zurücklässt». «Die Grenzen des Wachstums» wurde im gleichen Jahr lanciert, als diese Konferenz erstmals stattfand. Der Club of Rome mit seinen 114 handverlesenen, weltweit renommierten Mitgliedern wird darum im kommenden Jahr speziell gewürdigt. Ramphele und Dixson wollen diese Gelegenheit nutzen, «um die Kräfte zu stärken, die unseren Planeten in eine lebenswerte Zukunft für kommende Generationen führen».

www.clubofrome.org