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Votum von Actares an der UBS-GV 2017

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren, mein Name ist Nicole Weydknecht. Ich bin die Geschäftsführerin von Actares, dem Aktionariat für eine Wirtschaft mit Verantwortung. Heute spreche ich im Namen unserer Mitglieder, rund 1'300 Privatpersonen, Gemeinden und Organisationen, denen Verantwortung in der Wirtschaft ein Anliegen ist.

Ein Thema hat in den letzten Wochen regelmässig für Schlagzeilen gesorgt: übertriebene Managerlöhne und Boni, die unabhängig vom entsprechenden Jahresergebnis bestimmt werden. Auch bei UBS muss Actares ein paar Worte dazu sagen. Zwar gehört UBS zu den wenigen Unternehmen, bei denen nach Abschluss des entsprechenden Geschäftsjahrs über die Boni abgestimmt werden kann. So können Sie, meine Damen und Herren, Aktionärinnen und Aktionäre, beurteilen, ob die vorgeschlagenen Boni in Zusammenhang stehen mit dem erreichten Jahresgewinn.

Actares hat sich die entsprechenden Zahlen genauer angeschaut. Das Konzernergebnis von UBS im Jahre 2016 beläuft sich auf rund 3,2 Mrd. Franken während es im Vorjahr noch 6,2 Mrd. Franken betrug. Meine Damen und Herren, was meinen Sie, wie sich diese Halbierung auf die variablen Vergütungen ausgewirkt hat? Leider kaum! Diese sind lediglich um 17 Prozent zurückgegangen. Da passt etwas nicht zusammen. Wir von Actares finden solche Boni nicht vertretbar. Ja, wir wissen, für die Berechnung der Boni arbeitet die UBS jeweils mit einem bereinigten Vorsteuerergebnis, das im Jahre 2016 5,34 Mrd. Franken betrug, also mehr als 2 Mrd. Franken mehr als das wirkliche Ergebnis. Für uns Aktionärinnen und Aktionäre zählen aber nicht die 5,3 sondern die 3,2 Mrd. Franken.

Herr Präsident, Sie sagten heute: „Wer erfolgreich sein will, braucht ein starkes Team.“ Sie begründen ihre Bonuszahlungen unter anderem damit, dass sie die besten Talente rekrutieren wollen und dass sie sich in einem kompetitiven Umfeld behaupten müssen. Wir haben nichts gegen eine gute Bezahlung der Mitarbeitenden. Aber eine Kultur, bei der das Monetäre so im Vordergrund steht, ist nicht nachhaltig. Die NZZ schrieb am 21. April bezogen auf Vergütungen „Schweizer schweben in höheren Sphären“ und bei den Vergütungen für Verwaltungsratspräsidenten von Schweizer Unternehmungen schafft es UBS auf den nicht lobenswerten 2. Platz.

Nicht nachvollziehbar sind die Millionen-Boni auch angesichts der hohen Rückstellungen für Rechtsfälle und regulatorische Angelegenheiten. Allein im Zusammenhang mit US-Hypotheken belaufen sie sich auf rund 1.5 Mrd. US Dollar. Und diese Woche mussten wir in der Presse lesen, dass in Frankreich nächstens ein Strafverfahren wegen Steuerbetrug und Geldwäscherei gegen UBS eingeleitet wird, nachdem Vergleichsverhandlungen gescheitert sind. Herr Präsident, bitte erklären Sie uns dieses Geschäftsmodell: Seit wann gibt es derart hohe Boni trotz solcher Rechtsfälle und Bussen? Oder sollte ich besser fragen: Warum gibt es immer wieder Rechtsfälle und Bussen wegen zu hoher Boni?

Meine Damen und Herren, es gibt durchaus auch talentierte, leistungsbereite Menschen, die nicht nur auf Geld ansprechen. Rekrutieren sie vermehrt solche. Die genannten Risiken werden dann kleiner, die Erträge stabiler. Zusammenfassend heisst das: "Mehr Bescheidenheit ist angesagt". Actares bewertet sowohl die Boni als auch die fixen Vergütungen als viel zu hoch, und empfiehlt, alle Anträge zu den Vergütungen abzulehnen.

Der zweite Punkt, den ich heute ansprechen möchte, ist das Engagement von UBS in klimaschädlichen Projekten und Unternehmen. Von einem wirksamen Klimaschutz hängt zumindest mittelfristig das Überleben der Menschheit ab. Im Kapitel "UBS and Society" in ihrem Geschäftsbericht gehen sie darauf ein, was die UBS in dieser Hinsicht unternimmt. Insgesamt viele schöne Worte und viele Statistiken. Wir bezweifeln aber ein wirkliches Engagement.

Herr Präsident, Sie finanzieren nach wir vor Kohlekraftwerke, Fracking, arktische Bohrungen, Oelsand (siehe Seite 274 im Geschäftsbericht) oder Unternehmen, die solche Geschäfte tätigen. Zwar sind die Kriterien jedes Jahr etwas strenger. Das reicht aber bei weitem nicht, denn die Geschäfte sind nicht nur umweltschädigend und teils auch eine grosse Belastung für die lokale Bevölkerung; sie sind auch rufgefährdend für UBS und mit Verlustrisiken verbunden; denn sowohl private als auch institutionelle Anleger interessieren sich immer mehr für die Nachhaltigkeit und die Klimawirkung ihrer Geldanlagen. Geben Sie sich also einen Ruck und hören Sie damit auf!

Zum Schluss möchte ich noch einmal unsere Anliegen wiederholen:

(Votantin: Nicole Weydknecht, Geschäftsführerin von Actares)