Votum von Actares an der Swiss Re-GV 2026
Sehr geehrter Herr Ehrenpräsident, sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren
Grüezi mitenand, ich bin Fritz Peter - vor 10 Jahren hatte ich zum ersten Mal das Vergnügen, zu Ihnen zu sprechen, damals noch als Privatperson, viele von Ihnen waren wohl auch damals schon dabei. Wie in den letzten Jahren vertrete ich heute Actares, eine Vereinigung von Privataktionären, die sich im Dialog mit Unternehmen einsetzt, damit diese nachhaltig und verantwortungsvoll handeln. Einmal mehr vielen Dank an Swiss Re für den gehaltvollen Austausch im Vorfeld der Generalversammlung, den wir sehr schätzen.
Als erstes gratuliere ich dem Verwaltungsrat, dem Management und allen Mitarbeitenden weltweit zum Rekordgewinn im Jahr 2025 - well done indeed!
Nach der Gratulation kommt aber direkt auch Kritik: Actares stellt mit grossem Bedauern einen Rückschritt in der Klima-Performance von Swiss Re fest – nachdem diese in früheren Jahren noch gelobt werden konnte. Ohne Angabe von Gründen teilte das Unternehmen mit, auf eine externe Validierung seiner Emissionsreduktionsziele durch die Science Based Targets Initiative zu verzichten – diese verleiht den Zielen Glaubwürdigkeit und ist heute die Norm bei vergleichbaren Unternehmen. Fast scheint es, dass Swiss Re hier einem vermeintlichen Druck der in Sachen Klima unsäglichen US-Regierung nachgegeben hat - da hätte ich etwas mehr Rückgrat erwartet. Actares empfiehlt heute die Ablehnung des Nachhaltigkeitsberichts, stimmt auch gegen die Entlastung und, wenig überraschend, sagt Nein zu sämtlichen Vergütungsanträgen.
Noch kurz zu einem etwas leichteren Thema: ich bin notorisch schlecht mit Vorhersagen, hatte aber letztes Jahr ausnahmsweise Recht, als ich dachte, die Anzahl anwesender Aktionärinnen und Aktionäre würde um bis zu 50 Prozent zurückgehen wegen der Streichung des traditionellen Apéros. Für heute hatte ich eine weitere Reduktion um ca einen Drittel vermutet nach der verständlichen Verlegung nach Dübendorf – da lag ich wieder falsch, es ist weniger als 20% Reduktion. Swiss Re trägt, wenn auch anglifiziert, die Schweiz im Namen, da würde ich eine Aufrechterhaltung dieser gutschweizerischen Tradition erwarten und würde mich freuen, wenn auf diesen Entscheid zur Streichung zurückgekommen werden könnte. Für Actares ist es wichtig, dass der direkte Austausch an einer auch physisch, nicht nur elektronisch, durchgeführten Generalversammlung weiterhin stattfinden kann.
Nun zu den ebenfalls traditionellen 3 Actares Fragen - Sehr geehrter Herr Verwaltungsratspräsident.
Investitionen in emissionsintensive Tätigkeiten
Swiss Re hat solide Ansätze zum Umgang mit Klimarisiken - leider gibt es noch wichtige Lücken, unter anderem auch unklare Antworten auf die zunehmende Unversicherbarkeit.
Wie sehen Sie den vermeintlichen Zielkonflikt, weiterhin in emissionsintensive Aktivitäten zu investieren, die genau zu den Risiken beitragen, gegen die Sie versichern?
Gibt es da nicht einen grundlegenden Widerspruch zwischen Ihrer Rolle als Versicherer und den Auswirkungen Ihrer Finanzströme?
Abholzung und Menschenrechte in Brasilien
In einer Petition wurde Swiss Re aufgefordert, keine brasilianischen landwirtschaftlichen Betriebe mehr zu versichern, die mit illegaler Abholzung und Konflikten mit indigenen Gemeinschaften in Verbindung stehen. Untersuchungen deuten darauf hin, dass Swiss Re Versicherungsschutz für solche Betriebe gewährt hat, gegen die wegen illegaler Abholzung Sanktionen verhängt wurden. Sie bestätigten, dass einige brasilianische Engagements eine Überprüfung nach dem Vorfall erforderten und dass die Verträge danach nicht verlängert wurden.
Welche konkreten Zusicherungen können Sie geben, dass derzeit keine ähnlichen ESG-Blindspots an anderer Stelle in Ihrem Portfolio bestehen?
Transparenz in Bezug auf eingegangene Risiken durch Krieg und politische Gewalt
Können Sie angesichts der Eskalation geopolitischer Konflikte das Gesamtrisiko von Swiss Re in Bezug auf Kriegs-, politische Gewalt- und Terrorismusrisiken in den Bereichen See-, Luftfahrt-, Energie- und politische Risikoversicherung beziffern? Konkret: Was wäre das maximale Verlustszenario, mit dem die Gruppe konfrontiert sein könnte, falls sich ein Konflikt auf NATO-Länder oder wichtige Schifffahrtsrouten ausweiten würde?
Sie geben an, dass das Kriegsrisiko „begrenzt“ und „gut unter Kontrolle“ sei, quantifizieren jedoch das Gesamtrisiko oder Worst-Case-Verlustszenarien nicht. Wie können Aktionärinnen und Aktionäre das Kapitalrisiko ohne offengelegte Sensitivitäts- oder Stressszenarien einschätzen?
Besten Dank im Voraus für Ihre Antworten und Ihnen, sehr geehrte Damen und Herren, für Ihre Aufmerksamkeit.
(Votant: Fritz Peter, Mitglied von Actares)