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Votum von Actares an der Swiss Re-GV 2017

Grüezi mitenand, mein Name ist Fritz Peter, aus Hüntwangen.

Letztes Jahr habe ich hier als Kleinaktionär und früherer Swiss Re Mitarbeiter eine kleine persönliche Laudatio auf den damaligen CEO Michel Liès gehalten - heute spreche ich zu Ihnen als Mitglied von Actares, Actionnariat responsable, für eine Wirtschaft mit Verantwortung.

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren

Eine Laudatio ist naturgemäss voller positiver Elemente und auch heute gibt es viel Gutes über Swiss Re zu sagen. Sie wissen es, sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, Ihre Gesellschaft ist in vielen Bereichen der Corporate Responsibility eine vorbildliche Unternehmung. Dem Verwaltungsrat, dem Management und allen Mitarbeitenden gebührt für diese nachhaltige Leistung unsere Anerkennung und unser Dank - ich bitte Sie, sehr geehrte Anwesende, dies mit einem Applaus zu würdigen. Im Detail werde ich dann noch etwas näher darauf eingehen. Auch die finanziellen Kennzahlen des vergangenen Jahres sind durchaus erfreulich. Natürlich gibt es aber trotzdem einige Punkte, bei denen aus Sicht von Actares Handlungsbedarf, sogar dringender Handlungsbedarf, gegeben ist.

Anfang Februar hat Actares, wie bereits in früheren Jahren, einen Brief an Swiss Re gerichtet mit konkreten Fragen zu verschiedenen Themenkreisen. Wir haben dazu ausführliche und fundierte Antworten erhalten - herzlichen Dank dafür.

Ein klares Lob gebührt Swiss Re für die gute und rechtzeitige Berichterstattung. Der ausführliche und aussagekräftige Corporate Responsibility-Report basiert auf dem anerkannten Standard der Global Reporting Initiative - wir haben den Bericht mit grossem Interesse und Gewinn gelesen. Einmal mehr hat Swiss Re als Industry Leader im Dow Jones Sustainability Index abgeschlossen. Seit vielen Jahren auferlegt sich Swiss Re vielfältige Selbstverpflichtungen im Bereich Nachhaltigkeit und pflegt ein ausgeprägtes Klimawandel-Bewusstsein mit relevanter Forschung, Publikationen und anerkennungs­werten Initiativen. Folgerichtig und vorbildlich hat Swiss Re den sogenannten "Paris Pledge for Action" unterzeichnet und sich damit verpflichtet, sofort mit konkreten Schritten zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens und zum 1,5-Grad-Ziel beizutragen.

Ebenfalls positiv zu vermerken ist, dass in Bezug auf den Frauenanteil in höheren Führungspositionen verschiedene konkrete Massnahmen erarbeitet wurden. Genau dies ist aber der heutige erste Kritikpunkt: drei Personen sind zur Zuwahl in den Verwaltungsrat vorgeschlagen - es sind ausschliesslich Männer! Sehr geehrte Aktionärinnen, aber auch sehr geehrte Aktionäre, wollen Sie das akzeptieren? Nach einigen Fortschritten in dieser Beziehung in den vergangenen Jahren erfolgt nun wieder ein Rückschritt, der für Actares nicht nachvollziehbar ist und auch nicht akzeptabel sein kann. Sehr geehrter Herr Präsident, Zurich, Ihre Nachbarin am Mythenquai, übertrifft Sie in dieser Beziehung um Längen, mit fünf Frauen und sechs Männern im VR herrscht dort fast Geschlechterparität. Actares empfiehlt, ein Zeichen zu setzen und diese neuen Kandidaten abzulehnen.

Der heutige Hauptkritikpunkt von Actares passt, fast etwas zufälligerweise, einerseits in die Tagesaktualität, betrifft anderseits aber auch im weiteren Sinn den vielzitierten Vertrauensverlust der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger in Politik und Wirtschaft. Der Präsident hat dies in seinem Einführungsreferat im weitesten Sinn ebenfalls angesprochen. Heute in einer Woche wird an diesem Ort die Generalversammlung eines grossen schweizerischen Finanz­dienstleisters stattfinden. Unser Präsident kennt diese Gesellschaft von seiner früheren Tätigkeit her bestens. Wenn man kürzlichen Medienberichten Glauben schenkt, dürfte es dort wohl etwas heftiger und lauter zugehen als an unserer heutigen Versammlung.

Sie ahnen es, sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, es geht um die Vergütungen - darüber ist in den letzten Jahren schon viel gesagt und geschrieben worden, leider ohne dass sich wirklich etwas bewegt hat. Will die Wirtschaft das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger wieder gewinnen muss hier dringend eine Veränderung her. Reden wir doch einmal Klartext: die Vergütungen sind einfach zu hoch, zu wenig nachvollziehbar und die Systeme dazu sind viel zu kompliziert. Sogar die NZZ äussert sich kritisch zum Thema. Unter dem süffigen Titel ‚Wenn Manager Psychiater brauchen‘ wird eine der gängigen Erklärungsversuche für die hohen Entschädigungen ketzerisch kommentiert und damit entlarvt.

Actares hat klare und nachvollziehbare Richtlinien und Abstimmungskriterien für Generalversammlungen erarbeitet und macht diese auf der Webseite www.actares.ch öffentlich bekannt. Die Abstimmungsempfehlungen basieren auf diesen Kriterien und werden jeweils etwa 10 Tage vor der entsprechenden Generalversammlung im Internet aufgeschaltet. Die Vergütungen von Swiss Re, sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, erfüllen sowohl bezüglich der absoluten Höhe wie auch beim Verhältnis des fixen zum variablem Teil diese Kriterien nicht. Wir empfehlen Ihnen daher, bei den Traktanden 1.1, 3, 6.1 und 6.2 mit ‚Nein‘ zu stimmen und die bisherigen Mitglieder des Vergütungsausschusses in dieser Funktion nicht zu bestätigen.

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren Verwaltungsräte, irgend jemand muss den Anfang machen - seien Sie mutig, fassen Sie sich ein Herz und setzen Sie für die Zukunft ein deutliches Zeichen in Richtung einer einfacheren und nachvollziehbaren Entschädigungspolitik mit in der absoluten Höhe vernünftigen Beträgen. Für die Reputation von Swiss Re wird sich ein solches Signal positiv auswirken. Es kann auch kein Zweifel darüber bestehen, dass Sie Ihre bestqualifizierten Führungs­personen trotzdem werden halten und auch neue Topleute werden anziehen können.

Zum Schluss die Fragen von Actares. Sehr geehrter Herr Präsident:

Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Votant: Fritz PETER, Mitglied von Actares)