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Zweite Konferenz des europäischen Netzwerkes ethischer AktionärInnen

Vom 28. – 30. September 2001 trafen sich in Frankfurt einundzwanzig VertreterInnen von sechzehn Organisationen, die als ethisch-ökologische AktionärInnen aktiv sind. Mit Ausnahme des ICCR (Interfaith Center on Corporate Responsability) aus den Vereinigten Staaten stammten alle aus Europa. Die Zusammenkunft wurde ermöglicht durch die finanzielle Unterstützung der Fondation pour le Progrès de l'Homme und des Deutschen Evangelischen Entwicklungsdienstes.

Mit Vorträgen und Diskussionen über Beispiele von Interventionen bei Firmen sowie über die Rechte der MinderheitsaktionärInnen in den verschiedenen Ländern, bot die Konferenz Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch.

Unter den teilnehmenden Organisationen liessen sich grob zwei Tendenzen ausmachen: Einige nutzen den Aktienbesitz und den Auftritt an Generalversammlungen als ein Mittel unter anderen, um durch Aktivitäten von Unternehmen hervorgerufene Menschenrechtsverletzungen oder Umweltverschmutzungen zu bekämpfen. Zum Teil treten diese Organisationen schon über zwanzig Jahre als kritische AktionärInnen auf.

Andere Organisationen sind im Zuge der zunehmenden Verbreitung des Aktienbesitzes in vielen Ländern Europas entstanden. Sie wollen als Gegenspieler zu den Verfechtern der Shareholdervalue-Maximierung auftreten und fühlen sich mit dem Nutzen, den sie aus der Tätigkeit von Unternehmen ziehen auch verantwortlich für die Folgen dieser Tätigkeit. Profit ist für die Unternehmen überlebensnotwendig, er darf aber nicht zu Lasten von Mitarbeitenden, Gesellschaft oder Umwelt erwirtschaftet werden.

Die unterschiedlichen Tendenzen der ethisch-ökologischen Aktionärsgruppen mögen mit ihrer Geschichte, mit der Ausprägung von Konflikt- und Streitkultur oder mit der Entwicklung der Unternehmenskulturen in den verschiedenen Ländern zusammenhängen. Den Mitgliedsorganisationen des Netzwerkes war es wichtig, beide Tendenzen zu respektieren. Die vorgestellten Fallbeispiele zeigten, dass beide zu positiven Ergebnissen führen können. Es wurde beschlossen, 2002 eine gemeinsame Kampagne zum Thema Gleichstellung von Frauen und Männern in den Unternehmen durchzuführen. Die nächste Konferenz ist im Herbst 2002 vorgesehen. Sie soll in England oder in der Schweiz stattfinden.