Votum von Actares an der Novartis-GV 2026
Votum zum Traktandum 1, Abstimmungen über die finanzielle und nichtfinanzielle Berichterstattung für das Geschäftsjahr 2025
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Rolf Kurath, Präsident des Vereins Actares. Wir vertreten Privatpersonen und engagieren uns für eine nachhaltige Wirtschaft.
Novartis hat auch im letzten Geschäftsjahr gut gewirtschaftet. Zudem blieb Novartis bei 6 ESG-Ratings an der Spitze. Gratulation an die ganze Crew!
Actares sieht in drei Bereichen Handlungsbedarf:
- Kommunikation
- Personalpolitik
- Transparenz
1. Kommunikation: mehr Respekt - weniger Trump
Letztes Jahr ist uns allen definitiv klar geworden, dass nichts mehr so ist wie früher. Die vom amerikanischen Despoten angeführte Allianz aus politischer Macht und wirtschaftlichen Interessen stellt unverschämte Forderungen, auch an unser Land. Deshalb können wir nicht akzeptieren, dass sich Novartis ab Beginn in diese Allianz eingereiht hat. Die teilweise faktenfreien Geschichten der Trump-Administration werden genutzt, um Druck auf die europäischen Behörden auszuüben. Ein Beispiel: Bekanntlich ist niemand in der Lage, eine korrekte Kalkulation der Preise vorzulegen. Es könnte also auch sein (wie Experten sagen), dass Europa mit seinen stabilen Gesundheitssystemen und seiner exzellenten Grundlagenforschung die Innovationen finanziert, während das amerikanische System vor allem massive Transaktions- und Vertriebskosten verursacht. Solange dies nicht geklärt ist, erwarten wir mehr Substanz in der Kommunikation und mehr Respekt im Umgang mit unseren Behörden.
2. Eine faire Personalpolitik
Exzessive Vergütungen ohne Ende: Der CEO verdiente 8 x mehr als es uns gerecht erscheint und geschätzte 400 x mehr als die Mitarbeitenden mit den tiefsten Löhnen. Dies steht im Widerspruch zur Mission «Medizin gemeinsam neu denken», welche die gemeinsame Leistung der ganzen Crew anständig belohnen müsste. Davon haben wir nichts bemerkt. Zudem wissen wir nicht, ob die Mitarbeitenden zufrieden sind mit ihrer Erfolgsbeteiligung.
Noch ein Wort zur Restrukturierung des Werks Stein: Der Verweis auf die Verlängerung eines nicht publizierten Sozialplans reicht nicht. Von einem Unternehmen dieser Stärke erwarten wir ein Versprechen, dass es keine Entlassungen in die Arbeitslosigkeit geben soll. Auch dies stärkt die Verbundenheit der Mitarbeitenden und der Bevölkerung mit unserem Unternehmen. Wichtig in diesen struben Zeiten!
3. Mehr Transparenz
Actares hat festgestellt, dass wichtige ESG-Daten nicht mehr im traktandierten Nachhaltigkeitsbericht publiziert werden. Der letzte Bericht enthielt Daten zur Mitarbeiterbindung – der Bericht 2025 erwähnt lediglich die Fluktuationsrate. Die Ergebnisse zum Engagement des Personals wurden nicht veröffentlicht. Die offengelegte geschlechtsspezifische Lohnlücke basiert auf Daten von nur 16% der Mitarbeitenden und enthält keine Aufschlüsselung nach Hierarchieebene oder Standort.
Auch zum Naturschutz von Novartis gibt es Fragen: Es fehlt eine unabhängige Prüfung der Daten und es ist nicht nachvollziehbar, weshalb Daten zum Wasserverbrauch und zum Abfallvolumen auf der Website gesucht werden müssen. Auch diese Lücken sind im Bericht 2026 zu füllen.
Actares dankt Ihnen, geschätzte Aktionärinnen und Aktionäre, für Ihre Mitwirkung an der Führung des Unternehmens und bittet den Verwaltungsrat, unser Feedback zur Kenntnis zu nehmen.
(Votant: Rolf Kurath, Präsident von Actares)