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Gemeinsame Wertschöpfung bei Nestlé?

Das Forum zum Thema «Gemeinsame Wertschöpfung» (Creating Shared Value) vom 9. Oktober bot Nestlé erneut Gelegenheit, ihr viel gelobtes Konzept ins Rampenlicht zu rücken.

Das 2007 lancierte Programm "Creating Shared Value" konzentriert sich auf das Engagement in den Bereichen ländliche Entwicklung, Wasser, Ernährung, Ökologie und Menschenrechte.

Korrektur des Geschäftsimages

Seit dem Erstarken des Neoliberalismus hat das kurzfristige Denken von gewissen Unternehmensführungen dem Ansehen der Wirtschaft geschadet. Das Creating Shared Value Konzept (CSV) soll dies korrigieren, indem bei der Produktion von Gütern und Dienstleistungen immer auch gesellschaftliche Ziele berücksichtigt werden. Gemäss dem CSV-Forums ein Geschäftsgrundsatz, der allen Unternehmen zu einer neuen Form von Wettbewerbsvorteil verhelfen könnte.

Analyse unvollständig

Das für alle Anspruchsgruppen so viel versprechende Konzept lässt aber einige wichtige Fragen offen. Sicher, die Berücksichtigung von Ökologie und der Menschenrechte sind lobenswerte Fortschritte. Die meisten Massnahmen entsprechen aber dem ureigensten Geschäftsinteresse des Unternehmens.

Für die Entwicklung der Länder, in denen Nestlé tätig ist, sind Steuerzahlungen entsprechend der lokalen Wertschöpfung, faire Preise bei allen Einkäufen und existenzsichernde Löhne mindestens so wichtig. Dazu fehlen aber nachprüfbare Informationen. Die jetzige Auswahl der Themen richtet sich nach der Devise: «Wo kann etwas Positives berichtet werden» und könnte aus der Marketingabteilung stammen.

Die vom CSV-Konzept propagierte Win-Win-Situation muss deshalb hinterfragt werden, besonders auf dem Hintergrund der grossen Marktmacht eines Unternehmens wie Nestlé.