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Credit Suisse Group reagiert auf die Abholzung von Regenwald in Indonesien

Auf der Grundlage von Informationen des WWF und der Erklärung von Bern (EvB) stellte ACTARES an der Generalversammlung 2002 der Credit Suisse Group (CSG) eine Reihe von Fragen zum finanziellen Engagement beim indonesischen Papier- und Zellstoffkonzern Asia Pulp and Paper (APP). Ein ausführlicher Bericht dazu erschien im Info Nr. 5. Die Antwort, die ACTARES an der General-versammlung von Hans-Ulrich Doerig, Chief Group Risk Officer und Vice-Chairman of the Executive Board, erhielt, befriedigte nicht. Er ging in keiner Weise auf unsere detaillierten Fragen ein. In einem neuen Brief stellten wir deshalb nochmals mehrere genaue Fragen und verlangten eine Unterredung mit Herrn Doerig. Da dieser Vizekonzernchef der CSG ist, wurde uns nicht viel Hoffnung gemacht dass er sich für uns Zeit nehmen könne. Schliesslich kam das Treffen erfreulicherweise doch zustande. Anwesend waren Hans-Ulrich Doerig, Bob Scanlon, Global Head of Emerging Markets Credit aus London und Bernd Schanzenbächer, Vice President Product Ecology.

Gespräch mit der CSG

Sehr positiv zu werten ist die Tatsache, dass die CSG eine der Forderungen von ACTARES und EvB erfüllt und eine Forest Policy ausgearbeitet hat. Der Fall APP wird auch von der CSG als ökologisch und wirtschaftlich problematisch eingeschätzt. ACTARES bedauert, dass sich die CSG unter anderem aufgrund dieser Erfahrungen gänzlich aus Investitionen in Forstunternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern zurückziehen will.

Hans-Ulrich Doerig betonte das jahrelange aktive Engagement der CSG für die Umsetzung eines effektiven Umweltmanagements und verwies auf die dabei erzielten Erfolge in Form der wiederholten ISO-14001-Zertifizierung, die Aufnahme in verschiedene Nachhaltigkeitsin-dizes und die sehr gute Platzierung der CSG in Nachhaltigkeits-Ratings. ACTARES kennt und schätzt dieses Engagement. Der Fall APP ist aber wegen seiner grossen Tragweite und dem klaren Zusammenhang zwischen ökologischer und finanzieller Nicht-Nachhaltigkeit Veranlassung gewesen, den Dialog mit der CSG zu suchen. Diese hielt fest, sie sei in ihrer Rolle als Beraterin von APP für die Schuldenrestrukturierung nicht in der Position, um direkt die Entscheide des Unternehmens zu steuern. Deshalb erhielt ACTARES keine direkten Antworten auf die vorher eingereichten Detailfragen. Ausserdem daure der Beraterauftrag nur bis April 2003. Dieses Engagement sei personell und funktionell klar getrennt von der Position als Gläubigerin, etwas anderes würden die anderen Gläubiger nicht akzeptieren. Die CSG sei in ihrer Rolle als Gläubigerin eine Akteurin unter vielen, sie sei nicht die grösste Obligationärin von APP. Die weitaus grössten Gläubiger seien Exportfinanzierungsorganisationen diverser Länder.

Das Hauptproblem für jegliche Form der Weiterführung von APP, insbesondere für Neu-pflanzungen von Plantagen, sei der Bedarf an Cash. Vom weiteren Geschick von APP seien direkt oder indirekt rund 2 Millionen Menschen betroffen. Ein sofortiger Stopp des Kahl-schlags von Regenwald sei deshalb kein realistisches Ziel und die Liquidation von APP keine Lösung. Die CSG werde allerdings sicher kein weiteres Geld mehr in APP einbringen. APP werde ziemlich sicher Teile der Firma verkaufen müssen, dies werde aber eher Einheiten ausserhalb Indonesiens betreffen, z.B. in China. Bei einer Liquidation würden die Anlagen von APP wahrscheinlich zu einem Minimalpreis von einer anderen Gesellschaft übernommen und weiter betrieben. Die Firmen, die dafür in Frage kämen, arbeiteten mit noch schlechteren Umweltstandards als APP.

Ziel der CSG sei es deshalb, zu einer ausgewogenen Lösung beizutragen. So hätte sie Ge-spräche mit verschiedenen NGOs geführt (WWF, Friends of the Earth, Erklärung von Bern) und den Kontakt zwischen WWF und Gläubigern vermittelt. Der WWF konnte so der APP sowie den Gläubigern seinen Vorschlag für eine nachhaltig ausgerichtete Schuldenrestruktu-rierung präsentieren. APP habe diesen entgegengenommen. Die CSG selber halte die Vor-schläge des WWF für sinnvoll. Die Redimensionierung des Unternehmens sei notwendig. Wie weit APP diese Vorschläge aufnehme, werde sich herausstellen, wenn APP seinen neuen Businessplan und SGS (Société Générale de Surveillance) einen neuen Bericht zum Sustainable Wood Assessment präsentiere. Dies solle in den nächsten Monaten geschehen.

Mit einer Forest Policy sollen zukünftige "APPs" verhindert werden

Die CSG hat aus dem Fall APP Konsequenzen gezogen und als Bestandteil ihrer Environ-mental Risk Policy im Oktober 2002 eine Forest Policy für Finanzierungen von Aktivitäten im Holzsektor eingeführt. Diese umfasst alle Finanzierungen, also nicht nur Kredite, sondern auch Obligationen und Kapitalbeteiligungen. Sie ist Teil des Umweltmanagementsystems der CSG. Alle MitarbeiterInnen, die mit Geschäften im Papier-/Holzsektor zu tun haben, werden jährlich bezüglich deren Einhaltung überprüft; die Einhaltung der Policy wird Teil der ISO-14001-Zertifizierung sein. Die Policy wird aus prinzipiellen Gründen nicht veröffentlicht, AC-TARES durfte sie aber einsehen. Die CSG wird den Inhalt bei Gelegenheit, zumindest teil-weise, öffentlich kommunizieren. Sie wird aber keine Waldprojekte von Firmen aus den Schwellenländern mehr finanzieren. Es könne dort in keinem Projekt mit Sicherheit garantiert werden, dass kein schützenswerter Regenwald abgeholzt wird, und deshalb würden die Ri-siken definitiv als zu gross eingeschätzt. Finanzierungen von Firmen aus Industrieländern, die ihrerseits in Schwellenländern investieren, sind davon nicht betroffen.

Ein Erfolg zu Gunsten des Tropenwaldes?

Die Entwicklung im Fall APP/CSG hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Mit der neuen Forest Policy der CSG wird zwar verhindert, dass eine Schweizer Bank die Zerstörung der letzten Regenwälder mitfinanziert, andererseits wird die CSG in den Schwellenländern gar keine Investitionen mehr in Firmen aus diesem Sektor vornehmen. Das war natürlich nicht das Ziel des Vorstosses von ACTARES. Kredite und Investitionen von Schweizer Banken hätten eine gewisse Einflussnahme zu Gunsten der Nachhaltigkeit ermöglicht. Da dies jetzt wegfällt, muss umso mehr die Nachfrage nach zertifiziertem Holz gefördert werden. Die Verbreitung des FSC-Labels (Forest Stewardship Council / Weltforstrat) für nachhaltig pro-duziertes oder geerntetes Holz könnte Investitionen in diesem Sektor wieder interessant ma-chen. Vielleicht wird sich die Credit Suisse ein Engagement im Waldsektor der Schwellen-länder zu einem späteren Zeitpunkt wieder überlegen, wenn ihr Risiken und Chancen in ei-nem vertretbaren Gleichgewicht erscheinen.