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Votum 2 von Actares an der Credit Suisse-GV 2017

Mein Name ist Nicole Weydknecht. Ich bin die Geschäftsführerin von Actares, dem Aktionariat für eine Wirtschaft mit Verantwortung. Ich spreche heute im Auftrag unserer Mitglieder, rund 1'300 Personen, Organisationen, und Gemeinden, denen verantwortungsvolles Wirtschaften ein Anliegen ist.

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren,

Bei Credit Suisse fühlt man sich wie in alten Zeiten. Die Boni für die Geschäftsführung erreichen auch nach der Kürzung um 40 Prozent immer noch 17 Millionen, und das trotz Milliardenverlust! Versteht das irgendwer, ausser den Herren auf der Tribüne? Dabei sind grössere Kürzungen bei solchen Verlusten absolut möglich: die Deutsche Bank macht es vor. Ihr Chef, John Cryan erhält null Euro Bonus für 2016.

Neben den zu hohen Boni folgt eine Skandalmeldung der andern. Wie fast jedes Jahr bei Credit Suisse weiss man gar nicht wo anfangen.

Erneut mussten unzählige Bussen und Vergleichszahlungen bezahlt werden. 2015 waren es 808 Mio. Franken; 2016 bereits 2’707 Mio. Franken! (Geschäftsbericht S.10.) Auch die Rückstellungen für laufende Rechtsstreitigkeiten bewegen sich in überirdischen Sphären: 3'839 Mio. Franken für 2016 (konsolidierte Jahresrechnung Geschäftsbericht S.417ff) plus zusätzliche 300 Mio. Franken, die im März 2017 beschlossen worden sind (Geschäftsbericht S.306), plus mögliche weitere Rückstellungen im Zusammenhang mit den jüngsten Steuerfluchtaffären in mehreren europäischen Ländern.

Hinzu kommt ein gigantischer Skandal in Moçambique, zu dem Credit Suisse bis heute geschwiegen hat (Sie haben in der letzten Sonntagszeitung davon gelesen).

Die Verantwortlichen für die zahlreichen Skandale werden in der Regel nicht belangt, Gespart wird stattdessen mit Stellenabbau, Entlassungen und einem forcierten Outsourcing. 7'250 Stellen wurden im 2016 abgebaut, weitere 5'500 sollen 2017 folgen. In der Schweiz sind bis 2018 rund 1'600 Stellen vom Abbau betroffen. Die Schuldigen für die Verluste geniessen unterdessen ihre Millionen. Herr Rohner, Herr Thiam, wieso wird dieses Übermass an Rechtsfällen und Bussen weiterhin in Kauf genommen, anstatt dass die Verantwortlichen endlich zur Rechenschaft gezogen werden?

Problematisch sind auch die andauernden Investitionen in nicht erneuerbare Energien sowie in Palmölplantagen, die zu massiver Urwaldzerstörung führen. Geschäfte, die nicht nur umweltschädigend sind und eine grosse Belastung für die lokale Bevölkerung; sie sind auch finanziell risikoreich und rufgefährdend. Zur Finanzierung von Kohleminen und Kohlewerken sagte Credit Suisse, sie verzichte darauf, direkt in neue Kohleminen zu investieren. Allerdings kursieren seit Anfang Jahr Gerüchte über die mögliche Finanzierung einer Kohlemine in Amasra, in der Türkei. Ein Projekt mit gewaltigen negativen Auswirkungen auf lokale Ökosysteme, den Lebensraum der Bevölkerung, auf Landwirtschaft und Fischerei und natürlich auf das Klima. Ein Projekt, das deshalb von rund 120 lokalen Nichtregierungs­organisationen bekämpft wird und für welches deshalb bis im Sommer 2016 keine internationalen Investoren gefunden werden konnten. Meine Herren, bitte klären sie uns auf: hat oder wird Credit Suisse trotz den starken Protesten und den zahlreichen negativen Auswirkungen in dieses Projekt in Amasra investieren?

Sie ahnen es, meine Damen und Herren. Actares ist angesichts der überrissenen Boni, der Skandale sowie der verantwortungslosen Handhabung von Investitionen in umwelt- und gesellschaftsgefährdende Geschäfte schwer enttäuscht von Credit Suisse. Actares empfiehlt Ihnen ein Nein zu allen Vergütungsfragen, sowie die Ablehnung der Wiederwahl von Urs Rohner und verweigert dem Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung die Entlastung.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Votantin: Nicole Weydknecht, Geschäftsführerin von Actares)