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Basler Chemie soll Giftmülldeponien sanieren

ACTARES brachte an den Generalversammlungen von fünf Basler Chemie- und Pharmafirmen das seit Jahren debattierte Problem der wilden Giftmülldeponien in der Region zur Sprache. AktionärInnen forderten die Verwaltungsräte von Novartis, Ciba Spezialitätenchmie, Clariant, Roche und Syngenta auf, die endlose Auseinandersetzung zu beenden und die ungesicherten Deponien, in denen die Basler Chemie während der vierziger und fünfziger Jahre ihre giftigen Abfälle sorglos entsorgt hatte, umgehend zu räumen.

Schon lange ist bekannt, dass im Roemisloch in Neuwiller (im grenznahen Frankreich), in der Feldrebengrube in Muttenz, im Hirschacker in Grenzach (im grenznahen Deutschland) und in weiteren Deponien rund um Basel gefährliche Überreste aus der Vergangenheit vergraben liegen. Die Vorgängerfirmen der heutigen Chemie- und Pharmaunternehmen liessen in den 40er und 50er Jahren in ehemaligen Steinbrüchen, Kiesgruben und auf freiem Feld in den drei Ländern der Region Basel Produktionsabfälle ablagern. Dies entlastete zwar den Rhein, der bis dahin als Müllkippe verwendet worden war, sorgt aber heute für Kopfzerbrechen und Verunsicherung. Die Deponien laufen aus, färben Bäche und sind eine Gefahr für Gesundheit und Umwelt. Rund 13'000 Tonnen Chemiemüll in der Feldrebengrube liegen sogar in der Grundwasser-Schutzzone in unmittelbarer Nähe zur Trinkwasserversorgung Hard und gefährden das Trinkwasser von Basel.

Breiter Widerstand

In den letzten Jahren formierte sich deshalb in der Region Basel breiter Widerstand gegen die Deponien. So unterbreitete das Bürgerkomitee "Chemiemüll weg" jüngst den verantwortlichen Firmen eine Petition für die sofortige Beseitigung der Chemieabfälle. Die Petition ist in den betroffenen Gemeinden von bis zur Hälfte der Bevölkerung unterschrieben worden. Die Umweltorganisation Greenpeace brachte die Chemiefirmen mit Analyseresultaten ins Schwitzen. Die Analysen konnten die Unbedenklichkeit der Deponien, wie sie von den Labors der Basler Chemie festgestellt worden war, nicht bestätigen. Auch das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft BUWAL äusserte die Ansicht, dass die Industrie bei den meisten Deponien nicht um eine Sanierung herumkomme.

Die Basler Chemiekonzerne betonen zwar, sie würden die Verantwortung für ihre alten Chemiemülldeponien übernehmen. Die konkreten Taten liessen aber eher den Eindruck entstehen, die Unter-nehmen versuchten in erster Linie, die Sanierung der Deponien hinauszuschieben, die Grundwasserverschmutzung zu verharmlosen und die Verantwortung der chemischen Industrie herunterzuspielen, statt mit vorwärtsgerichtetem Projektmanagement dem Problem ein rasches Ende zu berei-ten. Dies verträgt sich schlecht mit den Vorsätzen sämtlicher betroffenen Firmen, ihre ökologische Verantwortung wahrzunehmen.

Für ACTARES war dies Anlass, an den Generalversammlungen von Novartis, Ciba Spezialitäten-chemie, Clariant, Roche und Syngenta das Thema aufzugreifen und das bisher gewählte Vorgehen kritisch zu hinterfragen. Bewusst wurden die Versammlungen aller börsenkotierten Unternehmen besucht, da die Kritik sich bisher eher einseitig auf Novartis, das grösste und am stärksten exponier-te Unternehmen, konzentriert hatte und sich die anderen Unternehmen still hinter der grossen Schwester verstecken konnten.

Im Zweifelsfall etwas mehr Verantwortung übernehmen

Die Voten von ACTARES wurden in den Versammlungen von den Aktionärinnen und Aktionären positiv aufgenommen. Auch die Unternehmensleitungen bemühten sich mehrheitlich, ihre offene Haltung zur Lösung des Problems zu zeigen. Am deutlichsten formulierte dies Daniel Vasella von Novartis. Es sei seine Überzeugung, dass die Beseitigung die einzige definitive Lösung sei. Andere taten sich schwerer und wiederholten früher geäusserte Argumente, dass die chemische Industrie nur für einen kleinen Teil der deponierten Abfälle verantwortlich sei – verschweigend, dass es jeweils genau der Anteil ist, der die Sanierung der ganzen Deponie notwendig macht. Gemeinsam war den Antworten, dass sie auf die Notwendigkeit umfassender Risikoabklärungen verwiesen, die noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen können.

Wir hoffen, dass die Voten von Aktionärsseite hinter den Kulissen trotzdem dazu beitragen, dass in jedem der betroffenen Unternehmen die Dringlichkeit von konkreten Massnahmen erkannt und die Sanierung der Deponien beschleunigt in Angriff genommen wird. Im Sinne einer raschen Lösung scheint uns vertretbar, dass die Unternehmen im Zweifelsfall auch einmal etwas mehr Verantwortung übernehmen, als ihnen in akribischer Beweisführung nachgewiesen werden kann.