Arbeitsgruppen

Neben den bisherigen Teams ist ein neues entstanden: Die Arbeitsgruppe Klima soll die Fachgruppen unterstützen und für Actares eine einheitliche Stossrichtung in Klimafragen erarbeiten. Die Arbeitsgruppen-Mitglieder leisten rund 2000 ehrenamtliche Arbeitsstunden. Danke dafür.

Banken

Rebekka Theiler musste sich leider aus beruflichen Gründen von der Leitung der Bankengruppe zurückziehen. In die Bresche springen nun im Turnus die verbleibenden Mitglieder, mit erhöhter Unterstützung der Geschäftsleitung. Trotz der knappen Ressourcen ist es der Arbeitsgruppe gelungen, die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse am Paradeplatz zu treffen und mit kritischen Fragen zu konfrontieren.

Bei der Bank Credit Suisse, die Actares Anfang dieses Jahres zweimal zum Dialog traf, sieht es dramatisch aus (siehe dazu auch unser Schwerpunktthema). Eine ernst gemeinte neue Unternehmenskultur, ein Aufbruch in eine nachhaltige und erfolgreiche Zukunft sind kaum erkennbar. Die Mitarbeitenden leiden unter einer fast endlosen Reihe von Fehlleistungen. Die Kumulation negativer Faktoren ist verantwortlich für einen sinkenden Aktienkurs.

Während die Arbeitsgruppe bei UBS im Gespräch und mittels Zahlen eine glaubwürdigere Kultur und den Willen zur Nachhaltigkeit erkennt, beschert Credit Suisse viel Arbeit. Einfluss zu nehmen ist dringend nötig. Falls Sie als Mitglied ein paar freie Stunden und Interesse am Finanzplatz Schweiz haben: Wirken Sie mit und treten Sie in den Dialog mit dem Bankensektor.

Klima

Die 2021 neu geschaffene Arbeitsgruppe Klima unterstützt als Kompetenzzentrum Klima die unternehmens- und branchenspezifischen Arbeitsgruppen und stellt eine einheitliche Stossrichtung in Klimafragen sicher. Als Erstes formulierte die Arbeitsgruppe Klima eine grundsätzliche Forderung, die Actares im Dialog mit Unternehmen und in der Öffentlichkeitsarbeit vertritt: Unternehmen sollen sich zur Klimaneutralität bis 2050 verpflichten, unter Berücksichtigung der gesamten Geschäftstätigkeit, also inklusive vor- und nachgelagerter Wertschöpfungskette. Sie sollen eine Roadmap mit Etappenzielen erarbeiten, die durch eine anerkannte externe Instanz verifiziert ist. Und sie sollen die Roadmap an der Generalversammlung zur konsultativen Abstimmung vorlegen und regelmässig über den Stand der Umsetzung berichten. Der Vorstand von Actares hat diese Forderung an seiner Sitzung vom 15. Dezember 2021 verabschiedet.

Die Forderung dient als Grundlage für die klimabezogenen Abstimmungskriterien, die auf die Saison 2022 hin eingeführt wurden. Die Arbeitsgruppe KIima hat ausserdem die Standards festgelegt, gemäss welchen Unternehmen berichten und Ziele setzen sollen. Actares erwartet die Teilnahme am Carbon Disclosure Project (CDP), einem globalen Offenlegungsmechanismus für CO2-Daten (und andere Umweltdaten); eine szenariobasierte Beurteilung von Klimarisiken nach den Empfehlungen der Task Force on Climate-Related Financial Disclosures (TCFD), die für grössere Schweizer Unternehmen bald auch gesetzlich verbindlich werden könnte; und eine Validierung von Reduktionszielen durch die Science Based Targets Initiative (SBTi).

Holcim

Unsere Arbeitsgruppe hat Verstärkung aus dem Wallis und aus Genf erhalten. Um möglichst effizient zu arbeiten, hielten wir unsere Meetings allesamt online ab. Unser Brief an den Holcim-Verwaltungsratspräsidenten Beat Hess mit den drängendsten Fragen zu Geschäftsresultaten und -strategie, zur Haltung bezüglich Klimawandel, Menschenrechten, Umweltproblemen, Zirkularwirtschaft, Biodiversität und neuen CO2-einsparenden Produkten wurde wiederum ausführlich beantwortet. Auch die Vergütung und dabei insbesondere die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien brachten wir auf den Tisch.

Holcim hat den versprochenen Climate Report vor der Generalversammlung publiziert. Wir analysieren ihn, um die Führung mit konkreten Fragen zu konfrontieren. Leider fand die Generalversammlung auch dieses Jahr wieder nur virtuell statt. Zumindest wurde sie diesmal als Webcast übertragen. Aber die Aktionärinnen und Aktionäre konnten nur zuhören und nicht aktiv partizipieren.

Pharma

Unser vierköpfiges Team hat im Dialog mit Novartis acht Themenkomplexe bearbeitet. Unser Statement wurde protokolliert und vom Verwaltungsratspräsidenten an der GV persönlich beantwortet. Unter anderem ging es darum, welches Gewicht das Kriterium «Service Public» bei der angekündigten Neupositionierung von Sandoz hat. Unser Begehren, die Klima-Roadmap zur konsultativen Abstimmung vorzulegen, wurde von Novartis zur Prüfung entgegengenommen – ebenso unsere Anregung zur Schaffung von mehr Transparenz hinsichtlich ESG-Bindung der Boni.

Der Roche-Konzern hat seine GV im Gegensatz zum Vorjahr per Livestream übertragen und ist dabei auf den vorgängigen schriftlichen Dialog mit Actares eingegangen. Weil die GV einmal mehr ohne Publikum stattfinden musste, hat sich Actares Ende Mai mit einer Vertretung des Verwaltungsrats getroffen. Themen waren die Preispolitik, insbesondere der Umgang mit lokalen Erschwinglichkeitsbarrieren, und der weltweit rasche und faire Zugang zur COVID-19-Technologie.

Versicherungen

Sowohl Zurich als auch Swiss Re haben ausführlich und zum grossen Teil aussagekräftig geantwortet. Wir sparten nicht mit Lob, aber auch nicht mit Kritik und Anregungen. Als positiv erachten wir, dass insbesondere Swiss Re, aber auch Zurich, in Bezug auf die Klimathematik im Allgemeinen gut unterwegs sind, nicht zuletzt weil sie als Versicherer stark von den Auswirkungen betroffen sind. Doch gibt es auch Verbesserungspotenzial.

Swiss Re hat den Aktionärinnen und Aktionären mit einer virtuellen Live-Informationsveranstaltung im Anschluss an die GV eine gewisse Partizipation erlaubt. Dabei wurde in der Q&A-Session auch eine Frage von Actares aufgegriffen. Demnächst steht ein persönliches Treffen in der Führungsetage der beiden Unternehmen auf dem Programm.

Im Team Versicherungen arbeiten fünf Personen mit. Mit Luana Thür ist eine Kennerin der Versicherungsbranche dazugestossen, worüber wir uns sehr freuen.

Réflexion

Die Reflexionsgruppe beschäftigt sich einerseits mit grundsätzlichen Fragestellungen, die sich aus der Arbeit von Actares ergeben. Andererseits unterstützt die Gruppe sowohl Vorstand als auch Geschäftsstelle bei der Weiterentwicklung und kontinuierlichen Anpassung der Abstimmungskriterien.

Auf die Generalversammlung 2022 hin schlug die Gruppe dem Vorstand die folgenden Anpassungen der Abstimmungskriterien vor: Actares soll die gleichzeitige Wahl in den Verwaltungsrat und ins Präsidium nicht mehr grundsätzlich ablehnen – weil sich diese Praxis immer mehr durchsetzt und die Einzelwahl der Mitglieder genug Raum lässt für einen Positionsbezug. Und: Das Klimathema soll explizit Eingang in die Abstimmungskriterien finden, mit einer Forderung nach Klimaneutralität bis 2050 und einer Roadmap dorthin. Der Vorstand hat beide Vorschläge angenommen.

Nestlé

Da es nicht möglich war, an der GV direkt Fragen zu stellen, hatte die Arbeitsgruppe zwei schriftliche Fragen eingereicht. Beide bezogen sich auf den Imageschaden: Die erste betraf die Enthüllung der «Financial Times», dass 60 Prozent der Nestlé-Produkte nicht als gesund bezeichnet werden können. Die zweite Frage bezog sich auf die Intervention von Nestlé bei den Bundesbehörden, die darauf abzielt, dass Mexiko Warnhinweise auf Flaschen von Erfrischungsgetränken zurückzieht, deren übermässiger Konsum gesundheitsschädlich sein kann.

Die Antworten waren sehr enttäuschend. Allerdings wurde die Kritik in der Rede von CEO Mark Schneider in einem allgemeineren Rahmen aufgegriffen.

Actares hat im März Nestlé öffentlich aufgefordert, den Aufruf des ukrainischen Präsidenten Selenski, die Geschäftstätigkeit in Russland einzustellen, zu erwägen. Der Aufruf wurde in der Medienlandschaft breit aufgenommen.

Lust auf Mitarbeit in einer Arbeitsgruppe?

Hier erfahren Sie mehr:
https://www.actares.ch/de/dossiers/working-groups