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Wohin steuern die Schweizer Pharmakonzerne?

Zwei Themenkreise standen seit Herbst 2018 im Fokus der Arbeitsgruppe Pharma: der Wandel von der traditionellen Herstellung von Medikamenten zu biochemischen und gentechnischen Verfahren und die Gefahren für Mensch und Umwelt durch die Verlagerung von Produktion und Zulieferung nach Asien.

Actares hat sich immer wieder eingesetzt für die Forschung und Entwicklung von Medikamenten gegen seltene Krankheiten. Mit Kymriah hat Novartis nun die Zulassung für ein zelltherapeutisches Verfahren zur Behandlung von jugendlichen Patientinnen und Patienten mit einer seltenen Leukämieerkrankung erhalten. Noch weiss man nicht, ob die Behandlung langzeitig wirksam ist. Klar ist indes, dass mit Behandlungskosten von ursprünglich 475 000 US-Dollar die Versicherungssysteme massiv unter Druck geraten. Der Wunsch von Actares nach Medikamenten für seltene Krankheiten ist scheinbar auf gutem Weg, aber zu welchen Preisen?

Versicherungen geraten in Geiselhaft
Novartis will künftig auf gentechnische Verfahren setzen und glaubt, dass bei den Preisen gar noch Potenzial gegen oben besteht. Actares hat sich im Dialog mit Novartis, aber auch an der Generalversammlung und in der Öffentlichkeit alarmiert über diese Neuausrichtung des Konzerns gezeigt. Im Moment liegt die Verhandlungsbasis für Kymriah in der Schweiz bei 370 000 Franken. Sollte die Tendenz zu neuen Verfahren mit solchen Preisen anhalten, nimmt die Pharmaindustrie die Versicherungssysteme in Geiselhaft. Kaum jemand in der Schweiz wird todkranken Patientinnen oder Patienten aus Kostengründen eine Behandlung vorenthalten wollen.

Roche bleibt breiter diversifiziert
Auch Roche verspricht sich offenbar einiges von futuristischen Behandlungsmethoden, will allerdings in kleineren Schritten umstellen als Novartis. Eine weitere Sorge betrifft die Antibiotika. Auf Anfrage von Actares, ob auch Roche wie Novartis aus der Forschung und Entwicklung von Antibiotika aussteigen werde, gab es eher beruhigende Antworten. Roche hat 2017 ein neuartiges Antibiotikum auf den Markt gebracht und setzt stark auf die Weiterentwicklung der Diagnostik in diesem Bereich.

Resistente Keime in Indien und Basel
Sorgen bereiten Actares die Folgen der Auslagerung von Produktionsprozessen nach Asien. Fakt ist, dass in den Flüssen rund um Hyderabad in Indien, aber neulich auch in Basel resistente Keime gefunden wurden, von denen vermutet wird, dass sie unter anderem aus schlecht kontrollierten Deponien dortiger Pharmazulieferer stammen. Novartis gibt dazu keine Auskunft. Roche verweist auf äusserst strenge konzerneigene Kontrollen und glaubt, die Keime hätten ihren Ursprung eher in Abwässern aus nahe gelegenen indischen Spitälern.

So oder so: Die Pharmagruppe von Actares wird diese und andere Themen weiterverfolgen.