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Frauen in Verwaltungsräten: Kommt 2018 der Durchbruch?

Nur fünf Verwaltungsräte von Unternehmen im Swiss Market Index (SMI) weisen aktuell einen Frauenanteil von mindestens 30% sowie eine Anzahl von drei oder mehr Frauen auf. Dies zeigt eine Analyse von Actares, der Aktionärsvereinigung für eine Wirtschaft mit Verantwortung. Actares fordert, dass 2018 auch die übrigen SMI-Unternehmen nachziehen.

Das Wichtigste in Kürze: Im Swiss Market Index weisen aktuell nur die Verwaltungsräte von Adecco, Nestlé, Swisscom, UBS und Zurich einen Frauenanteil von mindestens 30% sowie eine Anzahl von drei oder mehr Frauen auf. SGS hat als einziges Unternehmen keine einzige Frau im Vewaltungsrat. Damit Ende 2018 alle SMI-Unternehmen diese Vorgaben erfüllen, müssen - ceteris paribus - in der nächsten Generalversammlungssaison 20 neue Verwaltungsrätinnen gewählt werden.

Actares, die Aktionärsvereinigung für eine Wirtschaft mit Verantwortung, hat die Verwaltungsräte aller Unternehmen, die 2017 im Swiss Market Index (SMI) geführt wurden [Endnote1], auf ihre Geschlechterparität hin untersucht. Dazu analysierte Actares, wie viele Frauen die SMI-Unternehmen in den Jahren 2016 und 2017 zu Wieder- oder Neuwahl vorschlugen. Als Richtschnur diente das Prinzip “30% plus 3”, das heisst: Mindestens 30% Prozent Frauenanteil sowie mindestens drei Frauen.

Kriterium 1: Mindestens 30% Frauenanteil bei Wahlvorschlägen Die Abstimmungskriterien von Actares [Endnote2] fordern, dass jedes Geschlecht zu mindestens 30% vertreten sein soll. 7 SMI-Unternehmen erfüllten das Kriterium im Jahr 2017: Adecco, Givaudan, Nestlé, Swatch Group, Swisscom, UBS und Zurich. 8 SMI-Unternehmen hingegen schlugen im Jahr 2017 weniger als 20% Frauen zur Wahl vor: ABB, Actelion, Geberit, LafargeHolcim, Richemont, Swiss Life, Sika und Syngenta. SGS ist aktuell das einzige SMI-Unternehmen ohne eine einzige Frau im VR.

Kriterium 2: Mindestens 3 Frauen bei Wahlvorschlägen Untersuchungen [Endnote3] haben gezeigt, dass es mindestens drei Frauen in einem Verwaltungsrat braucht, damit diese nicht als Frauen, sondern ganz einfach als Verwaltungsrätinnen wahrgenommen werden. Dieses Kriterium erfüllen aktuell 9 Unternehmen: Adecco, Nestle, Novartis, Richemont, Roche, Swiss Re, Swisscom, UBS und Zurich.

Kriterium 3: Erhöhung des Frauenanteils durch Neuwahlen 2016 machten Frauen 31% der zur Neuwahl vorgeschlagenen Personen aus, 2017 waren es 23%. Das ist höher als der Anteil der insgesamt zur Wahl stehenden Frauen (20% in 2016, 21% in 2017), aber per Saldo führt das nicht unbedingt zu einem höheren Frauenanteil: In manchen Fällen werden Frauen durch Frauen ersetzt oder die Anzahl Männer im VR nimmt ebenfalls zu. Nur ein Unternehmen, Roche, zeigt einen Willen zur Feminisierung seines Verwaltungsrats: Für die drei Sitze, die es 2016 und 2017 neu zu besetzen galt, standen nur Frauen zur Wahl. 7 Unternehmen schlugen 2016 und 2017 keine einzige Frau für frei werdende Sitze vor: Actelion, Credit Suisse, LafargeHolcim, Lonza, Swiss Life, Swiss Re und Syngenta.

Was es braucht: Einen Effort in 2018
Fünf SMI-Unternehmen erfüllen bereits das Prinzip “30% plus 3”: Adecco, Nestlé, Swisscom, UBS und Zurich. Damit das für alle gegenwärtigen Mitglieder des SMI gilt, bräuchte es nächstes Jahr 20 neue Verwaltungsrätinnen. Oder anders ausgedrückt: Wenn alle SMI-Unternehmen im nächsten Jahr ausschliesslich Frauen zur Neuwahl in den Verwaltungsrat vorschlagen, wäre dieses Ziel schon im September 2018 erreicht. Wieso also länger warten?

Endnoten:

[1] Normalerweise 20 Unternehmen. Im Laufe des Jahres 2017 sind aber zwei Unternehmen, Actelion und Syngenta, ausgeschieden und zwei neue, Lonza und Sika, aufgenommen worden. Die vorliegende Analyse schliesst alle 22 Unternehmen mitein, die 2017 Teil des SMI waren. Knapp die Hälfte der Verwaltungsräte zählt aktuell zwischen 10 und 12 Mitglieder. Die Bandbreite reicht aber von 6 (Geberit, Swatch Group) bis 19 (Richemont).

[2] http://www.actares.ch/download/170131-Actares_Abstimmungskriterien_2017_D_r10_mit_Beilagen.pdf

[3] Siehe zum Beispiel die Forschung von Alison M. Konrad (Ivey Business School).